Archivgut
Nachlass
Nachlass Stoehr, Irene
in:
Nachlass Stoehr, Irene
Berlin <West>; Berlin
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Weitere Informationen
| Einrichtung: | FFBIZ-Archiv | Berlin |
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| In: | Nachlass Stoehr, Irene |
| Bestell-Signatur: | B Rep. 500 Acc. 951 Irene Stoehr - 0 |
| Sprache: | Deutsch |
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Kurz nach ihrem Tod 2023 kam Irene Stoehrs Nachlass ins FFBIZ, welches sie 1978 mitgegründet hatte. Er umfasst in erster Linie Materialien zu ihrer Forschung und macht deutlich, wie intensiv und umfangreich sie in Archiven für ihre Publikationen recherchierte. Überliefert sind beispielsweise ihre Arbeitsnotizen, Bestelllisten aus den Archiven und einige Originaldokumente. Auch ihre Tätigkeit in wissenschaftlichen, politischen und aktivistischen Netzwerken ist im Nachlass gut dokumentiert. Die Privatperson Irene Stoehr wird etwa in Form von Tagebüchern und Korrespondenzen sichtbar. Der Bestand eröffnet Einblicke in ihre Forschung und die zu Beginn oft prekäre Pionierarbeit der Frauen- und Geschlechterforschung. Lebenslauf 1941 wurde Irene Stoehr als Irene Beer in Brieg (Schlesien) geboren. Im Alter von vier Jahren floh Irene mit ihrer Familie aus Schlesien nach Berlin. Nach ihrem Abitur folgte ein Studium der Soziologie, Politikwissenschaften, Psychologie und Pädagogik in Berlin und München. Den Sommer und Herbst 1968 als Höhepunkt der Studentenbewegung verpasste Stoehr, da sie sich von einem schweren Unfall erholen musste. Erst in den frühen 1970er-Jahren stieß sie zur Frauenbewegung. Nach dem Studium hatte sie in verschiedenen wissenschaftlichen Anstellungen gearbeitet und auch geforscht. 1975 wurde sie dann Fachhochschullehrerin an der FH Hildesheim und auf Lebenszeit verbeamtet. Hildesheim erlebte sie im Vergleich zu Berlin als konservativ: So waren sie und ihre Freundin einer Weinstube verwiesen worden, da sie sich geküsst hatten. Außerdem wollte Stoehr endlich wieder forschen, ihre Lehrtätigkeit in Hildesheim befriedigte sie nicht. 1977 kündigten Stoehr und ihre Freundin ihre Jobs (Stoehr sogar ihren Beamtenstatus) und zogen nach Berlin. An der Freien Universität Berlin trat Stoehr im selben Jahr eine Assistenzstelle am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an. Hier begann sie an dem Thema zu arbeiten, das sie bis an ihr Lebensende beschäftigen würde: die historischen Frauenbewegungen im 19. und 20. Jahrhundert. Stoehr gehört damit zu den Pionierinnen der Frauen- und Geschlechterforschung in Deutschland. Schon 1976 war sie auch Teil der Organisationsgruppe der ersten Frauensommeruniversität in Berlin gewesen. Später wurde Stoehr Teil der internationalen `Lohn für Hausarbeit'-Kampagne. Nach Auslaufen ihrer Stelle an der FU Berlin arbeitete sie außerdem zwei Jahre für die feministische Zeitschrift Courage. Nach ihrer Zeit bei der Courage übernahm Irene Stoehr zusammen mit Eva-Maria Epple die Zeitschrift Frauen und Schule und benannte sie um in Unterschiede. Ab 1984 arbeitete sie außerdem wieder wissenschaftlich, im Rahmen verschiedener Forschungsaufträge, unter anderem zur Geschichte der `bürgerlichen' Frauenbewegung und zu Hausarbeit und weiblicher Ökonomie. 1999 promovierte sie nur einige Jahre vor ihrem Renteneintritt mit einer kumulativen Dissertation an der Universität Hannover. 2018 wurde bei Irene Stoehr Knochenkrebs diagnostiziert. Sie starb am 26. Februar 2023 in ihrem Gartenhaus. Erschließung Der Nachlass wurde im Rahmen einer Förderung des Digitalen Deutschen Frauenarchivs im "Erschließungsprojekt - Nachlass Irene Stoehr" 2024 erschlossen. Zwei Tagebücher in schlechtem Erhaltungszustand wurden aus Bestandsschutzgründen digitalisiert. Eine besondere Herausforderung stellte der Umgang mit der großen Zahl von Kopien aus anderen Archiven im Nachlass dar. Sie stammten aus Stoehrs umfangreichen Archivrecherchen für ihre Forschungsarbeiten. Die Bereitstellung solcher Archivkopien bewegt sich in einer rechtlichen Grauzone, da die Nutzungserlaubnis jeweils nur für die persönliche Recherche erteilt worden war. Außerdem war abzuwägen, inwieweit Kopien aus gut zugänglichen Archiven, wie dem Bundesarchiv, überhaupt archivwürdig sind. Schließlich wurden diese Kopien als kassabel bewertet, während einige wenige Kopien übernommen wurden, deren Originale für unsere Nutzer*innen nur mit unverhältnismäßigem Aufwand einsehbar gewesen wären, etwa in den USA. Eine detaillierte Kassationsliste wurde erstellt und kann auf Anfrage im FFBIZ eingesehen werden. Die Laufzeitangaben unter Punkt 3 "Sammlungen" beziehen sich auf die Recherche von Irene Stoehr, nicht auf die Forschungsinhalte. Als Ergänzung des Nachlasses wurde in der Projektlaufzeit ein Erzählcafé zu Irene Stoehr veranstaltet, an dem Weggefährtinnen teilnahmen und Erinnerungen teilten. Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet. Ein Bestandsessay zum Nachlass von Irene Stoehr findet sich im DDF-Portal. |
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