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in: B 2 - Frauenplenum Neuphilologie Uni Tübingen

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Einrichtung: BAF e.V. | Tübingen
In: B 2 - Frauenplenum Neuphilologie Uni Tübingen
Bestell-Signatur: FPN 000
Beschreibung:
"Das Frauenplenum (...) entstand im Zuge des Streiksemesters 1988/89 und erhielt durch die Wahl der studentischen Vertreterinnen in die Frauenkommission der Fakultät neue Struktu-ren." (FPN 005, Versuch einer Selbstdarstellung 1993). Im "Streiksemester 1988/89" hatten sich StudentInnen an der Universität Tübingen sowohl für soziale Sicherung und finanzielle Förderung der Hochschulen eingesetzt, als auch mit vielen autonomen Seminaren an allen geistes- und naturwissenschaftlichen Fakultäten für eine inhaltliche Umgestaltung der univer-sitären Lehre geworben (vgl. TÜTE 1/1989). Um insbesondere die Forderung nach feministi-scher Forschung und Lehre voranzutreiben, wurde am Neuphilologikum der Universität Tü-bingen - dem sogenannten "Brecht-Bau" - ein fächerübergreifendes feministisches Gremium, das "Frauenplenum" gegründet. Zusätzlich zu den studentischen Fachschaften und in organi-satorisch-finanzieller Verbindung mit dem "Brecht-Bau-Plenum", dem Zusammenschluss der dort beheimateten Fachschaften (vgl. etwa FPN 004, Protokolle 18.7.1991 und 4.6.1992), entstand damit ein offenes Forum für interessierte Studentinnen, die "eine stärkere Berück-sichtigung feministischer Gesichtspunkte in der Wissenschaft anstreben" (FPN 005, Versuch einer Selbstdarstellung 1993). Gleichzeitig wurde mit Nachdruck die Einrichtung der Frauen-förderkommission an der Fakultät umgesetzt. Zwar hatte eine vorbereitende Senatskommis-sion der Universität schon im Sommer 1988 ihren Aufbau an allen Fakultäten empfohlen, bislang war jedoch noch nichts geschehen. Das "Frauenplenum" und die "Frauenkommission" im Neuphilologikum arbeiteten Hand in Hand. Aus dem "Frauenplenum" heraus wurden die studentischen Vertreterinnen für die Kommission gewählt, die, besonders zu Beginn, auch inhaltlich die Impulse gaben und Ideen umsetzten. Auch die studentischen Kandidatinnen für den Fakultätsrat des Neuphilologikums waren aktive Frauen des "Frauenplenums", die sich über die Fachschaftsliste des "Brecht-bauplenums" aufstellen ließen. Derart institutionell verankert konnten Ringvorlesungen und Vortragsreihen zur feministischen Literaturwissenschaft organisiert und realisiert werden (vgl. FPN 003, 005, 007, 008, s. auch Virulanda 3/1992, 10-14), um das fehlende Lehrangebot auf diesem Gebiet zu ersetzen. Die erste Ringvorlesung wurde zudem unter dem Titel "Bildersturm im Elfenbeinturm" in Buch-form dokumentiert. Zusätzlich verdeutlichten Ausstellungen im Neuphilologikum zur Schrift-stellerin Marlen Haushofer und zur Vielfalt feministischer Zeitschriften in der ganzen Welt das Spektrum feministischer Wissenspotentiale (FPN 003, 005). Die Stellenbesetzungen von Pro-fessuren wurden mit eigenen Vorschlägen konstruktiv begleitet (FPN 009). Auch eine Frage-bogenaktion wurde durchgeführt zum Thema "Feminismus - für mich (k)ein Thema?", nicht zuletzt, um das "Frauenplenum" unter den jüngeren Studentinnen bekannter zu machen (FPN 010, Auswertung s. Virulanda 3/1992, 16-25). Und am "Info-Brett" gab es aktuelle Informatio-nen zu feministischen Neuerscheinungen, Veranstaltungen oder Stellenausschreibungen. Institutionell arbeiteten die Frauen des "Frauenplenums" außerdem im Fakultätsrat, in der stu-dentischen Räte-Vollversammlung und im Verband Baden-Württembergischer Wissenschaft-lerinnen VBWW (FPN 004). Zudem waren sie verantwortlich beteiligt an den ersten drei Aus-gaben der Uni-Frauenzeitung "Virulanda". Die verschiedenen Aktivitäten des "Frauenplenums" sind im Bestand FPN bei BAF e.V. sehr unterschiedlich überliefert. Wie alle politischen Frauenprojekte, die aus aktuellem Anlass her-aus gegründet wurden, um etwas zu bewegen (und nicht etwas zu sammeln), ist der Bestand lückenhaft. Niemand hatte die Zeit, konsequent abzulegen oder Büroorganisation zu betrei-ben. Die solcherart mehr oder weniger zufällig angehäuften Materialien wurden 1996 von Claudia Koltzenburg, einer der hauptsächlichen Aktiven im "Frauenplenum", an BAF e.V. übergeben. In 14 unterschiedlich großen Kartons lagerte ungeordnetes Material aus den Jah-ren 1989-1996, hauptsächlich Zeitschriften und Graue Literatur sowie drei gut gefüllte, wenn auch nicht minder ungeordnete Aktenordner zu den Aktivitäten des "Frauenplenums". Dar-über hinaus gab es etliche Einzelblätter zur Korrespondenz oder zu den Protokollen zwischen den Zeitschriften und Flugblättern. Die Graue Literatur wurde, wie seinerzeit vereinbart, dem BAF-Bestand zugeordnet bzw. kas-siert. Die Zeitschriften, darunter viele aus dem englischen und romanischen Sprachraum, sind in den BAF-Zeitschriftenbestand übernommen worden (die Zeitschriften-Exponate der o.g. Ausstellung waren jedoch nicht darunter. Sie gingen nach Nürnberg an das dortige FIBIDOZ - Feministisches Informations-, Bildungs- und Dokumentationszentrum. Mit seiner Auflösung 2001 wurde das gesamte Material dem Nürnberger Stadtarchiv übergeben). Das Material aus den Ordnern und die Einzelfunde wurden sortiert und in insgesamt 12 Aktentiteln zum "Frau-enplenum Neuphilologie an der Universität Tübingen" im BAF-Bestand "Autonome Einrich-tungen" unter der Signatur "FPN" verzeichnet. Nachträglich steuerte Eveline Kilian noch eini-ge Kopien und Originale aus ihren privaten Materialien bei. Als Ordnungsprinzip wurde versucht, die angelegten Sammlungen zu erhalten und zu ergän-zen. So wurde die Korrespondenz ergänzt durch die Briefe, die sich zwischen den anderen Materialien verstreut auffanden. Ebenso wurde mit den bereits vorhandenen Sammlungen von Protokollen, Veranstaltunghinweisen, Ideen und Veranstaltungen verfahren. Um einen Einblick in die Arbeitsweise des "Frauenplenums" zu erhalten, bieten sich die Pro-tokolle an. Sie decken einigermaßen vollständig den Zeitraum 1989-1992 ab, die eigentlich aktive Zeit des "Frauenplenums". Als hauptsächliches Aktionsfeld sind die Akten zur Organsi-ation der Vorlesungsreihen aufschlussreich (FPN 005, 006). Ergänzend dokumentieren die Protokolle aus der Frauenkommission zwischen 1989 und 1991 die Arbeit. Die Protokoll-sammlung zum VBWW beginnt dagegen erst 1994 (alle FPN 004). Insgesamt ist der Bestand ein beredtes Beispiel für die Bemühungen akademischer Feminis-tinnen zu Beginn der 1990er Jahre, an baden-württembergischen Hochschulen Frauenförde-rung zu institutionalisieren. Getragen wurden diese Bemühungen von (wenigen) engagierten Studentinnen, deren Arbeit die Forderungen nach Frauenförderung und Geschlechtergerech-tigkeit organisatorisch und inhaltlich legitimierte und durch vielfältige Ideen und Veranstaltun-gen verankerte. Ihre Kräfte bündelten sich bald in den neu eingerichteten universitären Institu-tionen, die in ihrer Wirksamkeit tragfähiger zu sein versprachen als die rein studentischen Gremien. Fehlender Nachwuchs brachte denn auch schon bald - nicht das Aus, wohl aber ein kaum noch existierendes "Frauenplenum", das hauptsächlich durch die Mitglieder der Frauenkommission präsent blieb. Gesa Ingendahl, Juni 2005 Literatur: Die studentischen Vertreterinnen in der Senatskommission für Frauenförderung Tübingen (Red.): Countdown für das "old boy system". Zur Frauenförderung an der Universität Tübin-gen. 1992 (BAF GL 089) Fischer, Karin / Eveline Kilian / Jutta Schönberg (Hg.): Bildersturm im Elfenbeinturm. Ansätze feministischer Literaturwissenschaft. Tübingen 1992 Koltzenburg, Claudia: Feminist Magazines Exhibition Catalogue. (2. Aufl.) Selbstverlag 1992 (FPN 003) TÜTE. Illustriertes Stadtmagazin für Tübingen, Reutlingen und Umgebung: Thema: Einstür-zende Hochschulen, 1/1989 Virulanda. Tübinger Uni-Frauenzeitung 1/1989 - 3/1992
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