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Vorwort

in: B 5 - Lesbenchor Tübingen

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Einrichtung: BAF e.V. | Tübingen
In: B 5 - Lesbenchor Tübingen
Bestell-Signatur: COR 00
Beschreibung:
Erste Ideen zu einem "FrauenLesbenMusik-Projekt" entstanden im März 1992 im Frauencafé Tübingen. Gemeinsam mit drei anderen Interessierten verfasste Annette Janle, Musikerin und bildende Künstlerin, einen Aufruf zum Mitmachen an "Musikbegeisterte Lesben, die gern sin-gen, vielleicht ein Instrument spielen und Lust haben ein bißchen Stimmbildung zu machen, - mehrstimmig zu singen - lesbisch-feministische Themen musikalisch-kabarettistisch umzu-setzen". Gesucht wurden dafür "Lieder und Chorsätze - Texte, die sich für die musikalische Bearbeitung eignen - Adressen von FrauenLesben, die (Chor-) Musik schreiben". In der Folgezeit trafen sich unter der Leitung von Annette Janle 10 bis 20 Frauen jeden Mon-tag in angemieteten Probenräumen, machten Stimmbildung und probten Schlager, Balladen, lustige und ernste Lieder unterschiedlicher Stilrichtungen mit zumeist umgedichteten Texten und arrangierten Stimmen. Sie sangen a capella oder zu Gitarre und Klavier. Der erste öffent-liche Auftritt, das "Coming out des Tübinger Lesbenchors", war am 21. November 1992, an-lässlich des 13. Geburtstags des Tübinger Frauenbuchladens Thalestris. Im großen Saal des Casinos in der Wöhrdstraße präsentierten 17 Frauen ihr Programm. Danach gab der Chor in wechselnder Besetzung bis März 1997 viele Konzerte im süddeutschen Raum: in Tübingen, Reutlingen, Stuttgart, Biberach und Würzburg. Zudem nahmen sie am Chortreffen 1996 in Bremen teil, dem jährlich stattfindenden Treffen bundesdeutscher Lesbenchöre. Und ein Teil des Chors, das Sextett "Lips for Six", gestaltete das Programm der ersten Tübinger Matinee "Frauen Leben Kunst" mit, das am 18.Januar 1997 im Casino stattfand. Chorwochenenden in der Gruppe oder mit dem Lesbenchor "Weibrations" aus Karlsruhe fes-tigten Stimme und Gruppenzusammenhalt. Hier wurden neue Programme ausprobiert und Ideen für die Choreographien der Aufführungen gesammelt. Organisiert war der "Tübinger Lesbenchor" als ein freier Zusammenschluss ohne Vereinssta-tus. Die Chorleitung, die Klavierbegleitung und die Finanzverwaltung waren personell fix. Für alle anderen Aufgaben wie Konzertaquise, Programmgestaltung, Chorwochenenden usw. gab es keine feste Aufgabenverteilung. Sie wurden zumeist von der Chorleiterin bearbeitet. Die Chorkasse nahm monatliche Beiträge der Sängerinnen zwischen 15 und 25 DM auf sowie die Gagen für Auswärts-Auftritte. Davon wurde eine Aufwandsentschädigung für die Chorleitung ausbezahlt sowie die Materialkosten für Requisiten, Noten und die Raummiete bestritten. Interne Auseinandersetzungen um Arbeitsverteilung, musikalische Leitung und finanzielle Ent-schädigung führten nach Klärungsversuchen in Supervision im September 1997 dazu, dass die Initiatorin des Chors und langjährige Leiterin Annette Janle von ihrem Amt zurück- und aus dem Chor austrat. Die wöchentlichen Chorproben fanden jedoch weiterhin statt. Parallel wur-de über Stellenanzeigen in regionalen und überregionalen (Musik-)Zeitungen eine neue Chor-leiterin gesucht, was aber erfolglos blieb. So luden die Frauen am 26.Juni1999 mit dem restli-chen Geld aus der Chorkasse alle ehemaligen Sängerinnen und die Tübinger Frauen und Lesben ins Frauencafé zum "Abgesang"-Abschiedsfest und lösten den Chor auf. Wie der Ordner mit den Materialien des "Tübinger Lesbenchors" in das BAF-Archiv gelangte, ließ sich nicht mehr rekonstruieren. Sein Material konnte bei der Verzeichnung ergänzt wer-den durch die Buchhaltungsunterlagen der Finanzverwalterin, von der auch handschriftliche Notizen zur Supervision stammen sowie die Vorbereitung und Durchführung des Abschieds-fests. Weiteres Notenmaterial wurde von der zeitweiligen Stellvertreterin in der Chorleitung beigesteuert. Der Bestand umfasst jetzt vier Akteneinheiten mit insgesamt 5 cm aus dem Zeitraum 1992 bis 1999. Eingearbeitet wurden auch die Rechnungsbelege, da hieraus die Anmietung des Probenraums, die Anschaffung von Requisiten, die Organisation der Chorwo-chenenden und ähnlicher Tätigkeiten im Alltag des Chors hervorgehen, die sonst nicht doku-mentiert wurden. Vorhandene Fotos wurden kopiert und die Originale im BAF-Bilder-Archiv einsortiert. Um das Material vor Ablauf des Personen-Datenschutzes nutzbar zu machen, wurden alle Listen und persönlichen Äußerungen der Teilnehmerinnen in einer eigenen Ak-teneinheit zusammengefasst (LC 02) und gesperrt. Das Material "Tübinger Lesbenchor" zeigt die Lebendigkeit und Kreativität, den Ideenreichtum und die Hingabe, mit der dieser freie Zusammenschluss über Jahre hin getragen und gelebt wurde. Und es dokumentiert die Hürden und Auseinandersetzungen, die zum Aufgeben ver-anlassen können. Der kleine Bestand bietet damit einen interessanten Einblick in eine kulturel-le und lesbische Einrichtung der 1990er Jahre von ihrem Beginn bis zu ihrem Ende. Weiteres Quellenmaterial: - A1 - BAF Graue Literatur BA-WÜ und A2 - BAF Graue Literatur, Stichwort "Musik" und "Lesben" Gesa Ingendahl, November 2005
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